Die hohe Lohndifferenz zu den Stammbeschäftigten werde gerade jetzt von den Unternehmen ausgenutzt. Die IG Metall befürchtet einen Trend zur „Mehrklassen-Arbeitnehmerschaft". Bei der „strategischen Nutzung" der Leiharbeit gehe es den Unternehmen nicht um dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse, sondern darum, Arbeitnehmer unterhalb der Standards einzustellen. In einzelnen Fällen seien sogar Leiharbeitskräfte angeheuert worden, während gleichzeitig Kurzarbeit gefahren wurde oder Beschäftigte entlassen wurden. Die IG Metall im Bezirk Frankfurt hatte in der vergangenen Tarifrunde die Arbeitgeber aufgefordert, Leiharbeit in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie tarifvertraglich zu regeln. Das sei entschieden abgelehnt worden. Die Vermutung liege nahe, daß die Arbeitgeber in einem möglichen Aufschwung keineswegs daran interessiert sein, reguläre Vollzeitarbeitplätze zu schaffen. Leiharbeit in Deutschland ist vor allem in der Metall- und Elektroindustrie weit verbreitet. Laut DGB-Studien ist die Beschäftigung von Leiharbeitnehmern in Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie dreimal höher als in der Gesamtwirtschaft. 50 Prozent dieser Beschäftigten sind an- und ungelernte Kräfte. Die durchschnittliche Beschäftigungsdauer liegt bei drei Monaten. Mehr als 50 Prozent der Beschäftigten beenden bereits vor Ablauf von drei Monaten das Arbeitsverhältnis wieder. Der arbeitsmarktpolitische Nutzen und Integrationseffekt ist gering. Nur sieben Prozent der Leiharbeitnehmer werden in reguläre Beschäftigungsverhältnisse übernommen. Aus anderen Studien geht hervor, dass der Lohnabstand im Vergleich zur Stammbelegschaft 45% bei Helfertätigkeiten und 35% bei qualifizierten Tätigkeiten beträgt. |