26.10.2011 | Interview mit dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied der IG Metall

Urban: Rente mit 67 stoppen, nicht die Beiträge senken

Foto: IG Metall

In der Bundesregierung wird diskutiert, die Rentenbeiträge zu senken. Was ist davon zu halten? 
Die Rentenbeiträge zu senken, geht solange in die falsche Richtung, solange das vorhandene Rentenniveau nicht deutlich angehoben wird, flexible Ausstiege erleichtert werden und Altersarmut vermieden wird.

Die Bundesregierung hält zwar an der Rente mit 67 fest, hat aber andere Vorschläge zur Bekämpfung der Altersarmut gemacht
Die Bundesregierung schlägt im wesentlichen vor, niedrige Alterseinkommen auf 850 Euro im Monat aufzustocken. Sie bindet dies daran, dass die Betroffenen lange Versicherungszeiten haben und zusätzlich privat vorgesorgt haben müssen. Der Personenkreis, der diese Voraussetzungen erfüllt, ist aber im Regelfall genau nicht von Altersarmut betroffen. Die Anhebung der Regelaltersgrenze, die schrittweise ab 2012 wirksam wird, wird bei vielen zu zusätzlichen versicherungstechnischen Abschlägen führen. In Kombination mit den Veränderungen in der Rentenformel und der Ausweitung prekärer Beschäftigung heißt dies "mehr Altersarmut". Darum unterstützen wir die DGB-Aktion. 

Könnten die Beschäftigten nicht mit den durch eine Beitragssenkung erhöhten Nettoeinkommen zusätzlich vorsorgen und so die zusätzlichen versicherungstechnischen Abschläge der Rente mit 67 kompensieren?
Nein. Der Durchschnittsverdiener würde durch eine Senkung des Rentenversicherungsbeitrages um einen halben Beitragssatzpunkt nur rund 6 Euro im Monat einsparen. Damit können weder die rentennahen, noch die jüngeren Jahrgänge die durch die Anhebung der Regelaltersgrenze entstehenden zusätzlichen Abschläge ausgleichen. Lediglich die Arbeitgeber würden sich freuen. Sie sparen Beiträge und müssen nichts kompensieren. Andererseits bringt die Rente mit 67 nach Regierungsangaben genau diesen halben Prozentpunkt. 
Man könnte also auf die Beitragssatzsenkung verzichten und stattdessen die Anhebung der Regelaltersgrenze rückgängig machen. Darum bitte ich alle Beschäftigten: Beteiligt Euch an der DGB-Umfrage und macht deutlich, dass Ihr Euch die Ablehnung der Rente mit 67 nicht abkaufen lasst! Leitet diese E-Mail weiter, damit möglichst viele andere Kolleginnen und Kollegen die DGB-Aktion unterstützen können.  

25.10.2011 | Aktion "6 statt 67"

DGB startet Online-Abstimmung gegen Rente mit 67

Plakatmotiv der DGB-Kampagne

In der neuen Aktion des DGB "6 statt 67" geht es um eine Onlineabstimmung. Anstatt den Rentenversicherungsbeitrag zu senken, sollte auf die Anhebung der Regelaltersgrenze verzichtet werden. 

4. Jahrestag der Rente mit 67

Ältere haben kaum eine Chance - Kritik an der Rente 67

Am 09. März 2007 wurde im Deutschen Bundestag die Rente mit 67 beschlossen. Aus diesem Anlass hat die IG Metall im Bezirk Frankfurt die Einstellungspraxis der Metall- und Elektrounternehmen überprüft.

Die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie in Hessen stellen kaum Menschen ein, die älter als 50 Jahre sind. Das ergab eine Umfrage der IG Metall im Bezirk Frankfurt (zuständig für Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen), an der 350 Betriebe mit über 160.000 Beschäftigten teilgenommen haben.

In Hessen beteiligten sich 144 Betriebe mit etwa 62.000 Beschäftigten, in Rheinland-Pfalz 100 Betriebe mit etwa 50.000 Beschäftigten und in Thüringen 62 Betriebe mit etwa 20.000 Beschäftigten.

Demnach zeichnet sich an düsteres Bild, was die Beschäftigungschancen Älterer angeht: In den Betrieben des Bezirks sind 13 Prozent aller Beschäftigten zwischen 50 und 60 Jahre. Nur 2,7 Prozent sind über 60 Jahre. Damit liegt die Quote der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung Älterer in der Metall- und Elektroindustrie deutlich unter der Quote anderer Branchen. Auch bei den Neueinstellungen bleiben ältere Beschäftigte außen vor: Im Bezirk waren nur 6,6 Prozent aller neu sozialversicherungspflichtig Eingestellten älter als 50 Jahre.

Hintergrund: Rente mit 67

Eine Kürzung der Renten und Förderung der Altersarmut

Die Rente mit 67 ist in aller Munde: Parteien und Verbände streiten über das Für und Wider. Die Bundesregierung überprüft derzeit, ob die Anhebung des Renteneintrittsalters angesichts der Arbeitsmarktentwicklung sowie der wirtschaftlichen und sozialen Situation älterer Arbeitnehmer vertretbar ist. Die Ergebnisse sollen im Herbst veröffentlicht werden. Hier finden Sie Fakten und Hintergründe sowie mögliche Alternativen zur Rente mit 67.

Rente mit 67

IG Metall hält an Forderung nach Aussetzen der Rente mit 67 fest

Die IG Metall hat ihre Forderung nach Aussetzung der Rente mit 67 bekräftigt und stattdessen ein Konzept für einen flexiblen Übergang in die Rente gefordert. "Die Rente mit 67 ist und bleibt eine Sackgasse und für einen guten Teil der Beschäftigten unerreichbar", sagte Berthold Huber.

Rente mit 67

Verschlechterung der Beschäftigungschancen für Ältere

IG Metall warnt vor Verschlechterung der Beschäftigungschancen Älterer

Hans-Jürgen Urban, Sozialexperte der IG Metall, hat vor einer weiteren Verschlechterung der Lage älterer Arbeitnehmer gewarnt. "In den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie sinken die Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer beträchtlich. Vor acht Jahren gab es noch in 24 Prozent aller Metallbetriebe Fördermaßnahmen für Ältere, heute sind es nur noch 20 Prozent", sagte Urban am Dienstag in Frankfurt. Die Anzeichen dafür, dass die Branche nach der Krise vor einer gigantischen Restrukturierung mit Lei-stungsverdichtung, höheren Produktionsgeschwindigkeiten und kürzeren Taktzeiten stehe, nehmen zu. "Angesichts der Realität in der Arbeitswelt ist es völlig unverständlich, dass die Bundesregierung an der Anhebung der Rentenaltersgrenzen festhält", erklärte Urban.

Nach einer Studie des Internationalen Instituts für empirische Sozialökonomie (INIFES) im Auftrag der IG Metall steige die gesundheitliche Belastung für ältere Arbeitnehmer in der Metallindustrie. Während im vergangenen Jahr rund 24 Prozent aller abhängig Beschäftigten über besondere Gesundheitsbeschwerden am Arbeitsplatz geklagt hätten, seien es in den Berufsgruppen der Metallerzeugung und -bearbeitung jedoch 30 Prozent gewesen. Welche Auswirkungen diese Belastungen bei älteren Arbeitnehmern hätten, belege die hohe Zahl derjenigen, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssten. 2008 habe der Anteil der Erwerbsminderungsrenten im Bundesdurchschnitt bei 18,6 Prozent gelegen, in den Metallberufen jedoch bei 24,1 Prozent.

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