21.09.2016 | Jubiläumsjahr 2016

125 Jahre IG Metall

Bild zum Thema 2016_125_Jahr_Feier_Pfalz

Auf 125 Jahre blickt die IG Metall in diesem Jahr zurück. 1891 gründeten Metallarbeiter den Deutschen Metallarbeiterverband.
Am Samstag, 04. Juni 2016, fand der zentrale Festakt zum Jubiläum in der Frankfurter Paulskirche statt. An diesem Tag führte die IG Metall Neustadt eine Vertrauensleute-Vollversammlung der Daimler Standorte Wörth und Germersheim durch.
Eine zentrale Festveranstaltung für die Pfalz fand am 21. September 2016, nach der jährlichen Delegiertenversammlung in Kooperation, in der Fruchthalle in Kaiserslautern statt.
Nach der Begrüßung durch Michael Detjen sprach Bürgermeisterin Susanne Wimmer-Leonhardt die Grußworte der Stadt Kaiserslautern. Danach gaben die Bevollmächtigten Michael Detjen/Kaiserslautern, Günter Hoetzl/Ludwigshafen-Frankenthal und Ralf Köhler/Neustadt ihre Geschäftsberichte ab, bevor es im Anschluss zur Feier "125 Jahre IG Metall" überging.
Für Essen und Trinken war bestens gesorgt, für die kulturelle Unterhaltung sorgte Bernd Köhler aus Mannheim mit Band.

Am 05. Juni 1891 wurde der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV) gegründet. Schon 1919 zählte der DMV als wichtigste Vorläuferorganisation der IG Metall eine halbe Million Mitglieder und war damit die größte Industriegewerkschaft der Welt. Ebenso wie die IG Metall heute, die mit knapp 2,3 Millionen Mitgliedern die weltweit größte Einzelgewerkschaft ist. Die IG Metall Neustadt hat Ende Mai 14.666 Mitglieder und damit 392 mehr als vor einem Jahr.

"Samstags gehört Vati mir!" - Der populäre Gewerkschaftsslogan aus den 1950er Jahren macht deutlich, dass sich in der deutschen Arbeitswelt seitdem einiges verändert hat. Die Sechs-Tage-Woche mit 55 Arbeitsstunden ist ebenso Vergangenheit wie der Norm-Urlaub von 15 Tagen im Jahr. Als treibende Kraft hinter vielen Veränderungen feiert die IG Metall an diesem Samstag ihr 125-jähriges Bestehen.
Immer noch stehen neben der betrieblichen Mitbestimmung die Verhandlungen mit den Arbeitgebern über Arbeitszeit und weitere Arbeitsbedingungen ganz oben auf der Agenda der größten und wohl mächtigsten Einzelgewerkschaft der Welt. An der Spitze steht seit Oktober 2015 der Diplom-Ökonom Jörg Hofmann, der offensiv den Anspruch stellt, auch die nächste, nunmehr digitale Revolution des industriellen Produktionsprozesses zu gestalten.
"Unsere Verantwortung ist, die Arbeitswelt sicher, gerecht und selbstbestimmt fortzuentwickeln", sagt Hofmann. "Deshalb reicht unser Anspruch über die Gestaltung von Industrie 4.0 hinaus. Es geht uns auch um Arbeit 4.0 und den Sozialstaat 4.0!" 

Geschichte der IG Metall

Im Juni 1991 feierte die IG Metall ihren 100. Geburtstag. 1891 war der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV), die wichtigste Vorläuferorganisation der IG Metall, gegründet worden.

Der DMV entwickelte sich schnell zur größten deutschen Einzelgewerkschaft im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Dier Zerschlagung der Gewerschaften durch die Nazidiktatur im Jahre 1933 bedeutete auch das Ende einer freien Gewerkschaftsarbeit in Deutschland. Es folgten Jahre der Verfolgung, Unterdrückung und des Widerstandes.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, im Jahre 1945, formierte sich die neue gewerkschaftliche Arbeit aus den Betrieben heraus. Betriebsräte organisierten den Bedarf fürs tägliche Leben und den Wiederaufbau der Betriebe. Parallel dazu begann der Aufbau der Gewerkschaften als Organisation nach dem Prinzip der Einheitsgewerkschaft.

Nach der deutschen Einheit bekam die IG Metall 1991 rund eine Million neue Mitglieder. Jetzt gibt es nur noch eine IG Metall in Ost und West. In den Jahren 1998 und 2000 vollzogen sich zwei Fusionen - zuerst mit der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (GTB), dann mit der Gewerkschaft Holz und Kunststoff (GHK). Der Name "IG Metall" ist dabei erhalten geblieben. Die früheren GTB- und GHK-Mitglieder sind den IG Metall-Mitgliedern gleichgestellt.

Die IG Metall vertritt heute erfolgreich die Interessen der Beschäftigten in der Metallwirtschaft, in der Eisen- und Stahlindustrie, im Metallhandwerk, in der Textil- und Bekleidungsindustrie, dem Textilreinigungsgewerbe sowie in der Holz- und Kunststoffindustrie.

Die IG Metall ist Mitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und des Internationalen Metallgewerkschaftsbundes (IMB).

Die Entstehung und Entwicklung der Metallarbeiterbewegung in der Region Neustadt / Südpfalz 1878-1890

Forscht man nach den ersten Organisationsbestrebungen von Metallern in der Region, stößt man zunächst auf eine Angabe im Mai 1878 in der Zeitung "Panier". Sollte diese Angabe zutreffen, gab es zu diesem Zeitpunkt in Neustadt eine "Metallarbeiter-Gewerksgenossenschaft", die aber dann nur wenige Wochen existierte, denn in einem Bericht des Bezirksamtes Neustadt über sozialdemokratische Vereine vom 28. Juni 1878 waren lediglich die Gewerkschaften der Schuhmacher und der Holzarbeiter aufgeführt.
Dagegen ist sicher, dass im Jahre 1885 - allerdings auch nur für die Monate Februar bis Mai - eine "Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter" in Neustadt a. d. Haadt existierte.
Bereits im Frühjahr 1883 gab es in Landau einen "Gewerksverein der Maschinen- und Metallarbeiter" (Hirsch-Dunker).

Gab es im Jahre 1883 in Neustadt zwar noch keine feste Organisation der Metaller, so waren jedoch zumindest Abonnenten für die DMZ (Deutsche-Metallarbeiter-Zeitung) am Ort, die sich mit Sicherheit aus dieser Quelle Informationen über den Aufbau vergleichbarer Organisationen in anderen Orten holen wollten.

Im März 1887 wurde dann in Edenkoben ein "Unterstützungsverein der Feilenhauer von Edenkoben und Umgegend" gegründet. Dieser Verein war der erste Zusammenschluß von Metallern in der Region überhaupt. Der Vorstand setzte sich aus drei Feilenhauern der Firma Erlenwein in Edenkoben zusammen (1. Vors. Julius Fellermann, 2. Vors. Ludwig Heim und Kassierer Johann Peter Uwers). Oberstes Ziel der Vereinsmitglieder war es, die "Ehre und Interessen der Feilenhauer zu wahren durch Erzielung möglichst günstiger Arbeitsbedingungen auf gesetzlichem Wege und strengster Aufrechterhaltung dieser namentlich in Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitspreis".

Im Juni 1887 war in der DMZ (Deutsche-Metallarbeiter-Zeitung) zu lesen, dass sich o. g. Verein gebildet hatte und jeder Feilenhauer, der dem Verein angehört und seinen Verpflichtungen nachgekommen ist, eine Reiseunterstützung von 1 Mark erhalte. Diese konnte beim Kassierer Peter Uwers in der Zeit von 12-1 und 7-8 Uhr abgeholt werden. Verkehrslokal war damals die Restauration Mayer in der Marktbachstraße.

Mit Sicherheit war der Feilenhauer-Verein eng mit der Existenz der bereits erwähnten Firma Erlenwein verbunden. Diese Firma, die im Jahre 1846 gegründet wurde, konnte offenbar durch niedrige Preise für ihre Waren eine beachtliche Zahl an Kunden anderen Firmen abspenstig machen. So klagten die Feilenhauer aus Karlsruhe-Durlach, dass sie viele ihrer Aufträge in den dortigen Firmen nach Edenkoben verlieren. Im Juli 1887 fuhren Kollegen aus Karlsruhe nach Edenkoben, um sich die Arbeitsbedingungen bei Erlenwein anzusehen. So stellte sich heraus, dass Erlenwein seine Feilen u. a. nur deshalb so billig produzieren konnte, da er seinen Arbeitern einen "ganz geringen Akkordtarif" und einen Tagelohn von 1,20 Mark zahlte.

Der Besuch aus Karlsruhe scheint seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Am 16. Juli 1887 traten 13 von 15 Feilenhauern in den Streik, da die Firmeninhaber von W. Erlenwein und Erlenwein Söhne am 4. Juli einen neuen Lohntarif per Aushang bekannt gegeben hatten, der natürlich niedriger war als der alte und am 16. Juli bereits Löhne nach dem neuen Tarif ausbezahlten.

Nach etwa 4 Wochen riefen die Feilenhauer in der DMZ dazu auf, den Zuzug nach Edenkoben fernzuhalten, da sie es ohnehin durch drei Streikbrecher schwer hätten, in ihrem Arbeitskampf zu bestehen. "Die Collegen von Ludwigshafen und Karlsruhe haben sich von unserer Lage überzeugt und gefunden, dass noch kein Streik so schwer durchzukämpfen und so aufgezwungen war, wie der unsrige", schrieben die Ebenkobener in der DMZ. Während des Arbeitskampfes wurden immer wieder Streikbrecher gesucht, die statt 1,20 Mark Tagelage 1,50 Mark erhalten sollten. Jedoch meldete sich niemand. Um die Produktion fortzuführen, setzten die Firmen Lehrbuben und Tagelöhner ein, bzw. die Herstellung von großen Feilen wurde nach Kaiserslautern vergeben. Die Produktion in Edenkoben wurde lediglich durch drei Arbeiter aufrecht erhalten.

Anfang September wurde seitens der Firma Erlenwein Söhne an den Unterstützungsverein der Antrag gestellt, dass fast alle streikenden Feilenhauer zu den alten Bedingungen wieder anfangen könnten. Dir Firma Leonhard Erlenwein Ww. machte dagegen zur Bedingung, dass vor einer Wiedereinstellung der betreffende Arbeiter seinen Austritt aus dem Unterstützungsverein erklären müsse.

Anfang Oktober 1887 brachen die Feilenhauer ihren Streik nach 12 Wochen erfolglos ab, da dieser permanent durch Streikbrecher, insbesondere aus dem Elsass, unterlaufen wurde.

Von den ehemals 12 Gesellen und 5 Lehrlingen arbeitete niemand mehr in den beiden Fabriken von Erlenwein. Sie waren größtenteils andernorts untergebracht, bzw. gingen auf Wanderschaft. Dieser Umstand war mit Sicherheit Ursache für die noch im Gründungsjahr erfolgte Auflösung des Vereins, wobei der genaue Termin nicht mehr zu rekonstruieren ist.

Neben der bereits nur im Jahre 1887 existierenden Unterstützungskasse der Feilenhauer in Edenkoben gab es in der Region ab März 1889 - allerdings nur für wenige Monate - wieder eine Filiale der "Allgemeinen Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter" in Neustadt.

Nach Auslaufen des Sozialistengesetzes dauerte es bis zum März 1891, ehe sich Metaller zu einer festen, dauerhaften Organisation zusammenschlossen. Am 23. März 1891 hatte sich in Lambrecht ein "Fachverein der Metallarbeiter aller Branchen für Lambrecht und Umgebung" gebildet. Bereits am 15. März fand eine öffentliche Versammlung statt, in der der Sozialdemokrat Körner aus Ludwigshafen über den Nutzen einer gewerkschaftlichen Organisation referierte. In dieser Versammlung wurde eine dreiköpfige Kommission gewählt, die Statuten ausarbeitete und zur Gründungsversammlung am 23. März einlud. Mit wenigen Änderungen wurde die Satzung angenommen und ein Vorstand gewählt. Zu diesem Zeitpunkt waren fast 100 Metaller organisiert und man war guter Hoffnung auf einen noch größeren Zuwachs an Mitgliedern.

Laut einer Statistik der DMZ vom April 1891 war die Organisation in Lambrecht die einzige Vereinigung von Metaller in der Region vor Gründung des "Deutschen Metallarbeiterverbandes" (DMV) im Juni 1891. Diese Statistik führt als Mitgliederstand 90 Metallarbeiter in Lambrecht auf.

In einer am 11. Juni 1891 - also wenige Wochen nach Gründung des DMV - abgehaltenen Generalversammlung wurden wegen Wegzug des Vorsitzenden und des Kassierers Nachwahlen durchgeführt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Georg Dietz, zum Schriftführer Gustav Irmscher, zum Kassierer Ludwig Hepp und als Beisitzer Andreas Mayer und Christian Weigel gewählt. Der wichtigste Beschluss in dieser Generalversammlung war jedoch, sich dem gerade gegründeten DMV anzuschließen.

Entgegen den Erwartungen der Vereinsgründer schrumpfte bis Jahresende die Mitgliederzahl um 50 Prozent. Laut einer Abrechnung des DMV gab es am 31. Dezember 1891 nur noch 48 organisierte Metaller in der Verwaltungsstelle Lambrecht, die über einen Kassenbestand von 15,17 Mark verfügten. Im Juni 1891 hatte die Mitgliederzahl noch 112 betragen. Die Organisation in Lambrecht konnte ihre Mitglieder im wesentlichen aus zwei Betrieben rekrutieren, nämlich die Pfälzer Metallwarenfabrik in Lambrecht und der Maschinenfabrik Hemmer in Neidenfels. Von den 200 Arbeitern bei Hemmer waren 80 organisiert, bei der Pfälzer Metallwarenfabrik waren von 40 Arbeitern 24 organisiert; die restlichen 8 Mitglieder verteilten sich auf kleinere Geschäfte.

Die Fachvereinsmitglieder hatten einen wöchentlichen Beitrag von 10 Pfennigen zu zahlen, was angesichts eines Stundenverdienstes von 28-48 Pfennigen - je nach Beruf - in der Pfälzischen Metallwarenfabrik bzw. 12-45 Pfennigen in der Maschinenfabrik Hemmer, damals eine Menge Geld war.  

Unsere Bürozeiten

IG Metall Neustadt

Montag bis Donnerstag
von   8:00 bis 12:00 Uhr
und 12:30 bis 16:30 Uhr

Freitag 
von   8:00 bis 12:00 Uhr

IG Metall vor Ort

Bild zum Thema IG Metall vor Ort

Online Mitglied werden