IG Metall Neustadt
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20.02.2020, 12:02 Uhr

DGB Index "Gute Arbeit"

Arbeiten am Limit

  • 20.01.2020
  • Aktuelles, Betriebe

Die Ergebnisse der Befragung von mehr als 6.500 zufällig ausgewählten abhängig Beschäftigten zeigen, dass hohe Arbeitsbelastungen in Deutschland weit verbreitet sind. Neben einem hohen Zeitdruck bei der Arbeit und zunehmender Arbeitsverdichtung berichten viele Befragte über quantitative Überlastung.

Das Problem zu hoher psychischer Belastung in der Arbeitswelt ist seit Jahren bekannt. Für einen Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat sich jedoch wenig geändert. Die aktuellen Befunde des DGB-Index Gute Arbeit zeigen: Der Arbeitsstress bleibt auf einem besorgniserregend hohen Niveau.

Angesichts dieser Situation sprechen Wissenschaftler schon von der "erschöpften Arbeitswelt". Die gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen sind enorm. Jede/r dritte Beschäftigte fühlt sich nach der Arbeit häufig leer und ausgebrannt. Eine dauerhafte Überlastung erhöht das Risiko für Burnout, Depressionen und Angststörungen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Der hohe Arbeits- und Leistungsdruck entsteht durch unrealistische Zielvorgaben, Personalmangel und eine Terminplanung, die den Beschäftigten keine Puffer bei unvorhergesehenen Störungen einräumt. Der Druck des Marktes wird ohne Rücksicht auf Verluste an den einzelnen Beschäftigten weitergegeben.

Viele Arbeitgeber vernachlässigen ihre gesetzliche Pflicht, eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit zu gewährleisten. Das zentrale präventive Instrument des Arbeits- und Gesundheitsschutzes - die Gefährdungsbeurteilung - wird in der Mehrheit der Betriebe gar nicht oder nur unzureichend umgesetzt. Und obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist, hat sich die Lage nicht gebessert.

Um diese Schutzlücke zu schließen, wird eine Modernisierung des rechtlichen Rahmens benötigt. Die betrieblichen Akteure brauchen konkrete Kriterien und Handlungshilfen für den Schutz vor quantitativer und qualitativer Überforderung. Die Daten des DGB-Index Gute Arbeit machen deutlich: Eine Ergänzung des Arbeitsschutzgesetzes um eine Verordnung, die den aktuellen Stand der arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu psychischen Gefährdungen berücksichtigt, ist überfällig.

Neues Format

Neben dem Report, in dem die wichtigsten Befragungsergebnisse zum Schwerpunktthema dargestellt werden, wird mit dem Jahresbericht 2019 erstmals eine Vertiefung zum Themenschwerpunkt und zur Standardberichterstattung vorgelegt. Die umfangreiche Berichterstattung zu allen erhobenen Kriterien der Arbeitsqualität ermöglicht es, gewünschte Informationen über die Arbeitsbedingungen in Deutschland gezielt nachzuschlagen.


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