IG Metall Neustadt
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04.06.2020, 05:06 Uhr

9. Mai - Europatag

Im Gespräch mit Christian Schmitt - Betriebsrat und Grenzgänger

  • 09.05.2020
  • Aktuelles, Politik, Betriebe

Der 9. Mai ist der Europa-Tag. Am 9. Mai 1950 schlug der damalige französische Außenminister vor, eine europäische Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl zu schaffen. Ausgerechnet zum 70. Jahrestag sind die deutsch-französischen Grenzen geschlossen. Die Kolleginnen und Kollegen bei Berger Metallwaren in Berg sind von den Folgen der Grenzschließungen direkt betroffen.

Dies ist unserer Ansicht nach aufgrund des, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich gleichermaßen bestehenden, Infektionsrisikos nicht gerechtfertigt. Die IG Metall Neustadt wie auch Rüdiger Stein vom DGB fordern die schnellstmögliche Öffnung der Grenzen.

Mehr als 50% der Beschäftigten von Berger Metallwaren leben in Frankreich und pendeln täglich zur Arbeit über die Grenze. Vor Corona alltäglich und kein Problem. Doch nun dauert ein wenige Kilometer langer Arbeitsweg aufgrund der Grenzkontrollen oft länger als eine Stunde.

Christian Möckel und Philipp Nerger von der IG Metall haben mit Christian Schmitt, Betriebsratsvorsitzender, aktiver IG Metaller und Grenzgänger, über die Folgen gesprochen.

 

Christian, wie erlebst Du zurzeit Deinen täglichen Weg zur Arbeit und zurück?

Ich wohne in Lauterbourg und habe insgesamt nur einen Arbeitsweg von 4 km. Vor der Grenzschließung war das eine Sache von 5 Minuten. Jetzt bin ich oft mehr als eine Stunde unterwegs. An der Grenze wird alles geprüft. Für den Grenzübertritt reicht es nicht, die Bescheinigung des Arbeitgebers vorzuzeigen. Zusätzlich wird das das Auto jeden Tag auf seine Fahrtüchtigkeit, TÜV, Versicherung des Fahrzeugs und Zustand der Reifen kontrolliert. Das empfinde ich tatsächlich als Schikane.

 

Sind die Grenzschließungen Thema bei Euch in der Belegschaft?

Natürlich. Die Kolleginnen und Kollegen können die Maßnahmen immer weniger verstehen. Beide Länder sind von der globalen Corona Pandemie stark betroffen. Es ist ja nicht so, dass auf der einen Seite der Grenze keine Infektionsgefahr besteht.

 

Glaubst Du, dass dieser Zustand für die Kolleginnen und Kollegen noch lange tragbar ist?

Nein, sicherlich nicht. Zum einen sind die persönlichen Belastungen durch die Kontrollen für alle Grenzgänger sehr hoch: Viele Kolleg*innen fühlen sich wie ich auch durch die Vorgehensweise bei den Kontrollen schikaniert. Außerdem sind die Wegezeiten und damit der Arbeitstag viel länger geworden.

Zum anderen haben sowohl die in Deutschland als auch die in Frankreich lebenden Kolleginnen und Kollegen Angst, dass sich die auf einmal wieder spürbare Grenze auch als Grenze im Kopf vieler Leute festsetzt. Bei uns im Betrieb spielt es keine Rolle, ob man Franzose oder Deutscher ist. Wir sind alle Kolleginnen und Kollegen, die seit langer Zeit gut zusammenarbeiten und sich auch persönlich kennen und schätzen. Unser betrieblicher Alltag ist gelebte europäische Integration. Wir wollen alle, dass das auch so bleibt!

 

Was wünscht Ihr Euch als Belegschaft?

Dass alle Grenzübergänge sofort wieder geöffnet werden und die Grenze als solche wieder wie zuvor nicht spürbar ist. Wir wollen wieder so leben und arbeiten können wie zuvor. Und das besser heute als morgen.


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