IG Metall Neustadt
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04.06.2020, 07:06 Uhr

Wir sind für Euch da

Interview zur aktuellen Situation bei Eberspächer catem in Herxheim

  • 29.04.2020
  • Aktuelles, Betriebe

Joachim Spielberger ist als Betriebsratsvorsitzender für die 521 Beschäftigten (davon 63 Leiharbeitsbeschäftigte) am Standort in Herxheim bei Landau aktiv. Dort werden elektrische Zusatzheizungen für verbrauchsoptimierte Fahrzeuge produziert sowie technische Lösungen für neue, zukunftsweisende Produkte entwickelt. So für die Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellen-Fahrzeuge von morgen. Joachim stellt sich den Fragen von Ralf Köhler, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Neustadt, zur aktuellen Situation im Betrieb.

Die Eberspächer Gruppe zählt mit rund 10.000 Mitarbeitern an 80 Standorten weltweit zu den führenden Systementwicklern und -lieferanten der Automobilindustrie. Das Familienunternehmen mit Sitz in Esslingen am Neckar steht für innovative Lösungen in der Abgastechnik, Fahrzeugelektronik und Klimatisierung für unterschiedliche Fahrzeugtypen.

Die Entwicklung und Produktion von Fahrzeugelektrik-Komponenten und Heizsystemen sind Schwerpunkte am Standort in Herxheim.

Die Beschäftigten haben mit der IG Metall im Sommer 2018 einen Haustarifvertrag durchgesetzt, der Heranführungsregeln an das Niveau der Metall- und Elektroindustrie in der Pfalz enthält und ab Januar 2019 in Kraft trat.

 

Interview:

·        Wie ist die aktuelle betriebliche Situation bei euch am Standort Herxheim?

Joachim: „Zur Zeit arbeiten nur ca. 33 Prozent der Belegschaft. Am Donnerstag, 30.04.2020, legen wir den Bedarf für die Kalenderwoche 19 und die Vorplanung für die Kalenderwoche 20 fest."

 

·        Bei euch sind viele Mitarbeiter aus dem Elsass tätig. Wie geht es denen?

Joachim: „Unsere Kolleg*innen aus dem Elsass sind alle Zuhause. Einige arbeiten begrenzt aus dem Homeoffice. Ich denke, die strengen Auflagen in Frankreich belasten die Kolleg*innen sehr. Zum Stand heute ist noch keine Kollegin oder Kollege aus dem Werk Herxheim infiziert."

 

·         Welche Themen habt ihr als Betriebsrat in diesem Kontext zu bearbeiten und wie organisiert ihr euch?

Joachim: „Aktuell gibt es die erste Lohnabrechnung mit dem Kurzarbeitergeld - was natürlich mit vielen Nachfragen verbunden ist. Wir hatten ja schon Mitte März die Betriebsvereinbarung "Kurzarbeit" abgeschlossen, in der es uns gelungen ist, ab dem ersten Tag der Kurzarbeit einen Zuschuss (Aufstockung) zum Kurzarbeitergeld in Höhe von 20 Prozent zu verhandeln. Der Betriebsrat ist per E-Mail immer erreichbar. Mindestens zwei Tage pro Woche ist jemand im Betriebsratsbüro, der Rest wird im Homeoffice erledigt."

 

·         Habt ihr eine Einschätzung, wie es in den nächsten Monaten weitergeht?

Joachim: „So langsam fragen die ersten Kunden an und werden hoffentlich ab Mai wieder mehr abrufen. Da unsere Kunden sehr international aufgestellt sind, wird sich der Anlauf nicht nur den Kunden, sondern werksspezifisch den lokalen Gegebenheiten anpassen müssen. Auf den Nenner gebracht: Es wird ein sehr ruppiger Anlauf werden. Mit Sicherheit wird es den ein oder anderen Rückschlag geben."

 

Bei euch gibt eine Bonusregelung für IG Metall Mitglieder. Was wurde da vereinbart und wer profitiert davon?

Joachim: „Mit dem Abschluss des Haustarifvertrages im Sommer 2018 wurde eine Vorteilsregelung für die Mitglieder der IG Metall vereinbart. Der Arbeitgeber hat 250.000 Euro an den Verein Berufs- und Lebenshilfe e.V. überwiesen, wo es pauschal versteuert wurde. Der Verein zahlt den Anspruchsberechtigten jährlich im Mai eine sogenannte Erholungsbeihilfe in Höhe von 156 Euro aus, bis das Geld aufgebraucht ist.
Als Voraussetzungen wurde durch die betriebliche Tarifkommission eine mindestens zweijährige, ungekündigte Mitgliedschaft und Beitragsehrlichkeit für die Gewährung im Jahr 2020 festgelegt
.
In den folgenden Jahren werden weitere Mitglieder diesen IGM-Bonus beanspruchen können, da sich ab Mitte 2018 etliche weitere Beschäftigte in unseren Reihen organisiert haben. In 2021 haben dann alle Anspruch, die ab 01.06.2019 Gewerkschaftsmitglied sind. Wie man sieht, lohnt es sich Mitglied zu sein bzw. zu werden. Tarifverträge sorgen für Sicherheit und zahlen sich in den nächsten Jahren regelmäßig aus."


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